Fragmente oder frag mich

„Wenn es nur eine einzige Wahrheit gäbe, könnte man nicht hundert Bilder über dasselbe Thema
malen“, so sprach kein geringerer als Pablo Picasso. Fünf Künstler*innen stellen aus, fünf Arten, die
Wirklichkeit zu begreifen, Fragmente, die uns ein Stück Welt erschließen können. 

Wir fragen 

Serio Digitalino, Agnes Krumwiede, Daniel Lange, Susanne Pohl und Steffi Wanzl-Lawrence nach ihrem
Blickwinkel, den sie in ihren Zeichnungen, Gemälden und Grafiken im Schloss Hohenkammer
präsentieren werden.

Reflektieren.

Jahrtausende versuchten Denker und Künstler die Schöpfungskräfte des Menschen und ihren Ursprung zu definieren. Viele ethische und philosophische Traditionen behaupten, dass das menschliche Leben allein aufgrund seiner Menschlichkeit einen inhärenten Wert und inhärente Würde besitzt. Diese Perspektive betont oft die einzigartigen Eigenschaften des Menschen, wie Vernunft, moralische Entscheidungsfreiheit und die Fähigkeit zu Empathie und Mitgefühl. Manchmal ist es innovativ, schöpferisch, aber auch zerstörerisch, nicht nur in der Kunst, im Bild selbst können wir auch diese Prozesse unmittelbar zur Wirkung bringen, wobei es entstehen unendliche Varianten im Zusammenspiel mit der Natur, aber auch menschliche Gedanken und Bedürfnissen spielen eine Rolle. In diesem Prozess sind die wichtigsten Informationen und Botschaften, die die schöpferische Arbeit beinhaltet, da wir zulassen, die zufälligen Kombinationen in diesem Arbeitsprozess für das gelebte Leben zulässt.

Susanne Pohl, geb. 1970 in Neuburg an der Donau, lebt und arbeitet dort als freischaffende Künstlerin mit Schwerpunkt Landschaftsradierung. In Ausstellungen und Biennalen (z.B. Armenien, Serbien, Taiwan) ist sie national und international präsent.
„Es sind selten Kulturlandschaften zu sehen, eher sind sie zu ahnen, nie aber sind
Tier oder Mensch abgebildet; es ist immer der Blick auf die Wildheit in der Natur, die möglichst
ungezähmt dastehen soll. Trotz der Fülle und Dichte der Zeichnungen sind die Ausschnitte
so angelegt, dass man das Gefühl bekommt, durch ein Fenster zu blicken, hinter
dessen Rahmen das Gezeigte sich noch endlos weit ausbreitet.“ (S. Wanzl-Lawrence in „GRAS BAUM WIND WASSER, Band 2).
Seit 2015 hat sich ergänzend zum eigenen Werk eine künstlerische Zusammenarbeit mit Steffi Wanzl-Lawrence entwickelt mit einer großen Fülle von gemeinsamen Zeichnungen und Gemälden, die 2024 mit dem Buchegger-Preis ausgezeichnet wurden.
Neben der Mitgliedschaft in BBK und Ecke-Galerie (Augsburg) wird Pohls Werk vor allem vertreten durch die Galerie Welz im Herzen Salzburgs.

Agnes Krumwiede ist Diplommusikerin und freie Autorin, seit 2013 liegt einer ihrer beruflichen Schwerpunkte auf der Malerei. 2014 wurde sie beim Berufsverband Bildender Künstler (BBK) Obb. Nord & Ingolstadt e.V. aufgenommen. Ihre Werke zeigt sie seitdem bei zahlreichen Gemeinschafts- und Gruppenausstellungen sowie bei Einzelausstellungen. 2022 wurde eines ihrer Aquarellbilder für die Biennale „Artija" in Kragujevac (Serbien) ausgewählt. Stilistisch sind ihre Werke der figürlichen Malerei zuzuordnen, häufig mit surrealistischen Elementen und Raum für persönliche Assoziationen und Interpretationen. In ihren Öl- und Aquarellbildern möchte sie sichtbar machen, was übersehen wird, häufig nicht auf den ersten Blick sichtbar ist oder unter der Oberfläche wirkt, .

Malun setzt sich mit höchst emotionalen,  teils  privaten  Themen  auseinander, behandelt aber durchaus auch Fragen zu gesellschaftlichen wie politischen Themenkomplexen und spielt gerne mit Unorten. Er lässt dort Menschen auftreten, die nicht immer komplett abgebildet sind, genauso wie die Gebäude. Teilweise unvollständig ausgemalt, wirkt was wir sehen manches Mal kaputt, verbraucht oder reparaturbedürftig. Flächen werden freigelassen, anderen wird umso mehr Genauigkeit im Detail und Tiefe gegeben. Wir sehen die Abgebildeten oft mit dem Rücken zu uns, als möchten sie sich verstecken oder in Auseinandersetzung miteinander, mal im Kampf, mal in zärtlicher Umarmung. Sie  wirken  kontemplativ  oder  gefangen in einer Art Nachdenklichkeit, in einer inneren Auseinandersetzung, so als würden die Menschen auf jemandem oder etwas  außerhalb  der  Leinwand  reagieren.
 

Steffi Wanzl-Lawrence
Die Berührung, der Anlauf, der Griff ins Leere – das erweckt Frustration und Faszination gleichermaßen. Das Leben ist wundervoll: die Sinnsuche, der Versuch einer Heimkehr ins Paradies und die Flucht vor dem Tod treiben die Menschen in ein progressives, oft gewalttätiges Vordringen zu neuen Erkenntnissen, in einen Bruch mit der Gegenwart, in den Aufbruch in eine vorherbestimmbare Zukunft. Die Welt wird grenzenlos, ob beabsichtigt oder unfreiwillig, durch das Handeln miteinander konkurrierender Zeitgenossen. Wir erleben die Welt als Bühne, solange wir nicht selbst vom Schicksal betroffen sind. In dieser Welt entdeckt SWL die wunderbarsten Momente, die skurrilsten Geschichten und die ganz große Oper. Kombiniert mit ihren eigenen Träumen und Wünschen, ihren eigenen inneren und äußeren Konflikten entstehen ihre Bilder, die den komplexen Fragenkatalog noch größer werden lassen, als irgendeine Antwort zu bieten.

Schloss Hohenkammer

Die ursprüngliche Burg Hohenkammer gehörte den erstmals im 11. Jahrhundert bezeugten Herren von Camer bzw. Kammer, die sich 1042 in Hohenkammer niederließen. Die „hohen Herren von Camer“ waren Ministeriale der Grafen von Scheyern. Von 1551 bis 1801 war die Hofmark Hohenkammer im Besitz der Grafen von Haslang, die in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts das Schloss Hohenkammer errichteten. Nach einem verheerenden Brand 1648 wurde es im Stil der Renaissance wieder aufgebaut. 1804 bis 1821 war das Schloss im Besitz der Grafen Preysing und gelangte dann an den Verleger Johann Friedrich Freiherr von Cotta. Seit 1833 war es im Besitz der Familie von Vequel-Westernach. Mechthilde Freiin von Vequel-Westernach zog in eine kleine Villa in der Nähe (heute Baronessvilla) und verkaufte das Schloss im Jahr 1917 an die Raiffeisen-Genossenschaft. Nach wechselvoller Nutzung wurde es 1970 zu einem Schulungszentrum der Bayerischen Raiffeisen-Zentralbank (später DZ Bank).
 

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